Mythen Bettwanzenvertreibung

Mythen aus dem Netz - Bettwanzen Faktencheck

Bettwanzen bekämpfen mit Hausmitteln – oft nur Mythen

Die eigenen vier Wände sind für die meisten ein Hort der Geborgenheit. Ungebetene Eindringlinge können sich dabei zu einem Alptraum entwickeln, vor allem, wenn es sich dabei um Bettwanzen handelt.

Auf der Suche nach sinnvollen Methoden finden sich im Internet zahlreiche Tipps, wie den Plagegeistern Einhalt geboten werden kann. Doch halten sie, was sie versprechen?

Vorweg schon einmal so viel: Die meisten Ratschläge ersetzen keine effektive Bekämpfung und helfen auch nur, wenn der Befall noch ein sehr sehr geringes Ausmaß erreicht hat.

Mythos 1: Hitze und Kälte töten Bettwanzen

Richtig ist, dass die Plagegeister extreme Temperaturen nicht überleben. Temperaturen über 60º und unter -18º sind für Bettwanzen tödlich. Minusgrade allerdings nur auf einen sehr langen Zeitraum gesehen, da die Tiere eine Art „natürliches Anti-Frostschutz-Mittel“ im Blut haben und somit in eine Winterstarre verfallen.
Deshalb ranken sich viele Tipps um die Temperatur – aber helfen nur bedingt

  • Kleidung und Bettzeug in die Sonne legen

    Das hilft nicht wirklich. Die Tiere werden sich nur ein neues Versteck suchen. Da Bettwanzen sich tagsüber verstecken, werden Sie so meist gar kein Tier erwischen und wenn, dann wird es schnell fliehen und sich einen neuen Ort zum verstecken suchen.
  • Kleidung und Textilien bei 60º oder 90º waschen
    Bettwanzen und Eier, die an der Kleidung hängen werden bei diesen Temperaturen getötet. Allerdings vertragen die meisten Kleidungsstücke keine hohen Temperaturen. Dieser Tipp hilft zudem nur, wenn Sie gerade aus dem Urlaub kommen und den Inhalt ihres Koffers durchwaschen. Ansonsten halten sich die Tiere nicht mehr in Kleidung auf.
  • -18º im Gefrierschrank

    Der Tipp, Kleidungsstücke über Nacht in den Gefrierschrank zu legen, ist wenig hilfreich. Zum Einen halten sich Bettwanzen eher kaum bis gar nicht in Kleidungsstücken auf. Das würde nur etwas bringen, wenn man direkt aus dem Urlaub zurück kommt und die mitgebrachten Kleidungsstücke einfriert. Zum Anderen müssten diese Kleidungsstücke mehrere Tage, wenn nicht sogar Wochen im Gefrierschrank bleiben, um die Tiere und Eier tatsächlich abzutöten. Besteht der Befall allerdings schon, hilft der Tipp nur noch wenig, da weder die Matratze noch der gesamte Inhalt im Gefrierschrank Platz finden dürften.
  • Ein Fön für Ecken und Ritzen

    Dabei soll der Fön auch die höchste Stufe gestellt und alle Ecken, Ritzen und Spalten des Raumes mindestens 20 Minuten bearbeitet werden. Der Fön kann dabei zwar Temperaturen über 60º erreichen, aber Bettwanzen sind schlau und werden bei drohender Gefahr sich entweder tiefer verstecken oder andere Versteckmöglichkeiten suchen. Außerdem ist eine gewisse Brandgefahr dabei nicht zu vernachlässigen.

Mythos 2: Staubsauger & Co. als Rettung

Oft wird empfohlen, den Bettwanzen mit technischem Gerät nachzustellen.

  • Gründliches Staubsaugen soll helfen: Selbst in Ritzen und kleinsten Spalten bringt es zwar Sauberkeit, beseitigt aber nicht die Bettwanzen. Die halten sich nämlich so versteckt auf, dass der stärkste Staubsauger ihnen nichts anhaben kann.
  • Dampfreinigen von Matratzen, Teppichen und textilen Kopfteilen eines Bettes kann in gewisser Weise helfen, weil die Störenfriede weglaufen werden. Allerdings werden sie sich ein Zimmer weiter ein neues Zuhause suchen und werden nicht vernichtet.

Mythos 3: Düfte – die milde Variante

Düfte werden oft als das beste Mittel gegen Bettwanzen empfohlen.

  • Die häufig angepriesenen ätherischen Öle wie Nelken-, Minz- und Lavendelöl stören die lästigen Bettgesellen tatsächlich leider gar nicht. Also schafft man mit einer Duftkerze im äußersten Fall eine schöne Atmosphäre – vorausgesetzt der Mensch empfindet den Duft als angenehm.
  • Auch Duftsäckchen im Schrank oder gar im Bett beeinträchtigen die Lebensfreude der Blutsauger in keiner Weise. Dafür sind sie nicht einmal jedes Menschen Sache. 

Mythos 4: Kurkuma und Kieselgur

Mit diesen Mitteln rückt man den Plagegeistern härter auf den Leib.

  • Kurkuma - auf Textilien gestreut und abgesaugt - soll den Bettwanzen den Atem nehmen: Tatsächlich ist das so, wird aber nur wenige dieser Parasiten treffen. Problem ist, dass sie sich eher in Ritzen von Wänden, Fußböden und Möbeln aufhalten. Zudem ist Kurkuma stark färbend. Das ist ein absoluter Mythos und sie verderben sich damit ihre Kleidungsstücke.
  • Kieselgur sollte trotz häufiger Empfehlung mit Vorsicht genutzt werden. Dieses Pulver streut man in Ecken, Ritzen und Spalten, in denen sich die Blutsauger tagsüber am liebsten aufhalten. Der Chitinpanzer der Wanzen wird beschädigt und die Tiere trocknen aus. Das Pulver ist zwar umweltverträglich und eigentlich für den Menschen ungefährlich.
Problematisch wird es jedoch, wenn das Pulver durch einen Luftzug aufgewirbelt wird. Dabei gelangt es in die Atemluft und kann somit von Mensch und Tier eingeatmet werden.


Mythos 5: Mechanische Hindernisse halten Bettwanzen auf

Sind die Parasiten in der Wohnung, so will man sie vom Bett fern halten. Das sollen die verschiedensten mechanischen Sperren erreichen.

  • Vaseline um die Beine eines Bettes soll den Aufstieg verhindern. Das mag funktionieren – es sei denn, die Tiere sind aus Kleidung oder aus einem Koffer, der auf dem Bett stand, ausgestiegen. Die Schicht aus Vaseline muss dabei schon sehr dick sein, damit Bettwanzen nicht mehr hochklettern können. Sie rutschen davon nicht ab, sondern bleiben eher kleben.
  • Doppelseitiges Klebeband hilft höchstens, einige Tiere zu erwischen. Eine effektive Bekämpfung ist dabei nicht möglich. Viel mehr gilt es hier als eine Methode der Befallsermittlung.
    Möbel zu verrücken – auch ein beliebter Tipp – hält die Bettwanzen nicht davon ab, ihren Weg in das Bett zu finden. Sie machen dann eben einen Umweg.

Fazit

Die zahlreichen Tipps aus dem Internet sind nichts für eine effektive Bekämpfung von Bettwanzen. Im besten Fall sind sie hilfreich, wenn Sie gerade aus dem Urlaub heimkehren und die Koffer (am besten in der Badewanne öffnen) und Kleidungsstücke sofort entsprechend behandeln.

Wenn Sie einen Befall festgestellt haben, zögern Sie besser nicht zu lange und holen Sie sich professionelle Hilfe von Schädlingsbekämpfern, um eine weitere Verbreitung der Schädlinge zu verhindern.

Veröffentlicht am 30.03.2024

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